Kurze Geschichte Madagaskars

Die Geschichte der Besiedlung der ursprünglich menschenleeren Insel Madagaskar begann wahrscheinlich vor rund 3000 Jahren.

Die erste Besiedelung Madagaskars

Im 10. Jahrhundert (945 - 946) zogen große Einwanderungsströme aus Indonesien und Malaysia in den afrikanischen Raum und zur afrikanischen Ostküste. Im dreizehnten Jahrhundert eroberten die Malaien dann Sumatra und Aden und trieben eifrig Sklavenhandel.

Auch afrikanische Bantu waren an der frühen Besiedelung der Nordwestküste Madagaskars beteiligt, sowohl als eigenständige Gruppe als auch als Mischlinge mit den indonesischen Einwanderern, die wahrscheinlich auch Station an der afrikanischen Ostküste gemacht hatten. Im 10. Jahrhundert drangen die ersten dieser bantu-indonesischen Mischlinge in das Innere der großen Insel vor, wo sie im Hochland das sagenhafte Volk der Vazimba bildeten, das seit dem 17. Jahrhundert verschwunden ist, beziehungsweise sich mit den anderen Bewohner vermischt hat und sich dadurch auflöste.

Geschichte der Piraten in Madagaskar

Der abenteuerlichste Teil der Geschichte Madagaskars spielte sich zur großen Zeit der Piraten von etwa 1690 bis 1720 ab. In diesem Zeitraum war Madagaskar der Ausgangspunkt von Raubzügen im Indischen Ozean, im Roten Meer bis hinauf zu den asiatischen Küsten.

Die Piraten hielten sich an der Ostküste Madagaskars auf. Auf der Insel Ste. Marie (madagassischer Name: Nosy Boraha), nur wenige Kilometer von der Ostküste entfernt, kann man heute noch einen Piratenfriedhof besichtigen.


Palast des Premierministers

Die Europäer entdecken Madagaskar

Der erste Europäer, der auf die Insel kam, war der portugiesische Seefahrer Diego Diaz im Jahre 1500, als er auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien war. Er landete im äußersten Norden in der heutigen Stadt Diego Suarez, die nach ihm benannt wurde. Auch spanische Handelsschiffe, die zu den westindischen Inseln fuhren, hatten kurze Zeit später womöglich Kontakte zur Insel Madagaskar gehabt.

Letztendlich waren es dann aber die Franzosen, die nach einem zehnjährigen Protektorat mit brutaler Militärgewalt Madagaskar unterwarfen und 1896 zu ihrer Kolonie machten. Eine der ersten Maßnahmen der neuen Regierung war die Abschaffung der Sklaverei. Auch der Ausbau der Verkehrswege wurde sofort begonnen mit dem Bau von Eisenbahnlinien und Straßen.

Im ersten Weltkrieg kämpften madagassische Soldaten zusammen mit Franzosen in den Gräben von Verdun gegen die Deutschen. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch der Spitzname der Deutschen in Madagaskar: "rainiboto", lautmalerisch vom Schlachtruf der französischen Soldaten abgeleitet "Le Rhin est le but!".

Während des zweiten Weltkrieges stand Madagaskar zunächst unter der Verwaltung von Vichy, wurde dann von 1941 bis 1943 von den Engländern besetzt, die es nach der Befreiung Frankreichs wieder an das neue Frankreich zurückgaben.

1947 flammten an der Ostküste Aufstände von Landarbeitern auf. Eine Bewegung zur Befreiung Madagaskars von den französischen Kolonialherren gründete sich. Die Franzosen reagierten hart. Die madagassischen Abgeordneten der Nationalversammlung wurden umgehend verhaftet und zum Tode verurteilt, ohne dass man ihnen eine Beteiligung an den Aufständen nachweisen konnte.

Die Republik Madagaskar seit 1960

Seit 1960 ist die Republik Madagaskar wieder ein unabhängiger und eigenständiger Staat mit einem eigenen Sitz in der UNO. Dennoch ist der französische Einfluss im täglichen Leben und in den Geschäftsbeziehungen immer noch überdeutlich spürbar, bestärkt durch ständig erneuerte Kooperationsverträge, die seit der Unabhängigkeit zwischen Frankreich und Madagaskar abgeschlossen wurden.

Philibert Tsiranana wurde 1960 erster Präsident der unabhängigen Republik Madagaskar. Revolten im Süden Madagaskars führten 1971 zu Unruhen und schließlich zu einem Machtwechsel.

1975 wurde Didier Ratsiraka nach Studentenrevolten und einen Militärputsch zum Präsidenten der sozialistischen Republik Madagaskar ausgerufen. In den folgenden Jahrzehnten wurde Madagaskar durch seine stalinistisch-kommunistisch orientierte Militärregierung wirtschaftlich zu Grunde gerichtet.

1991 zwangen Volksaufstände Ratsiraka zum Rücktritt gezwungen und eine demokratische Verfassung trat in Kraft. Der nächste Präsident, Albert Zafy, wurde 1993 gewählt.

Bei vorgezogenen Präsidentschaftswahlen im Jahre 1996 unterlag Zafy und Didier Ratsiraka wurde erneut zum Präsidenten des Landes gewählt, jetzt allerdings unter republikanisch-demokratischen Vorzeichen.

Die Präsidentschaftswahlen im Jahre 2001 brachten dem Herausforderer Marc Ravalomanana zwar die Mehrheit der Stimmen, aber durch Wahlmanipulationen versuchte sich Didier Ratsiraka weiterhin im Amt zu halten. Erst im Juni des Jahres 2002 musste Didier Ratsiraka sich nach politischer Intervention der Vereinigten Staaten geschlagen geben und ging ins Exil nach Frankreich.

Zur Zeit ist Marc Ravalomanana amtierender Präsident des Landes, das er nun dem immer noch starken französischen Einfluss ein wenig entziehen will. Ein Schwerpunkt der aktuellen Politik liegt auch auf dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland.

Literaturempfehlungen

Madagaskar

von Franz Stadelmann und Jan Greune
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 88 Seiten - Stürtz
Erscheinungsdatum: September 1998
ISBN: 3800309025

Madagascar

von Pierre Verin
Sprache: Deutsch
Broschiert - 294 Seiten - Leipziger Universitätsverlag
Erscheinungsdatum: Juni 2005
Auflage: 1
ISBN: 3865830226

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