Ankarafantsika Nationalpark


Tiebeobachtung im Ankarafantsika Nationalpark

Größe: 130,026 ha

Gründungsjahr: Seit 2003 offizieller Nationalpark, besteht jedoch bereits seit 1927

Provinz: Mahajanga (Majunga)

Verwaltung: Privater, gemeinnütziger Verein

Geographie

Im Nordwesten von Madagaskar, 450 km nordwestlich von Tana und 115 km südlich von Majunga, über die Nationalstraße RN 4 zu erreichen.

GPS: 16°09 südlich und 46°57 östlich.

Klima

Die Durchschnitts-Temperaturen im Ankarafantsika-Nationalpark liegen zwischen 24° und 29°C und es herrscht ein heißes und feuchtes Klima. Die Trockenzeit ist von April bis November. Im Süden des Parks ist es zunehmend trockener als im Norden, wodurch verschiedene Landschaftszonen entstanden sind.

Lebensräume


Eisvogel im Ankarafantsika Nationalpark

Der Ankarafantsika Nationalpark wird von einer sehr kontrastreichen Landschaft gekennzeichnet. Man kann von dichten und trockenen Wäldern, über Dschungel, weite Savannen, zahlreiche Seen bis hin zur Mondlandschaft alles in diesem Park antreffen. Auch ist der Ankarafantsika-Park einer der größten und letzten Gebiete mit einem dichten Laubwald. Diese verschiedenartigen Lebensräume bieten für zahlreiche vom Aussterben bedrohte und endemische Tiere einen Schlupfwinkel. Die Seen von Tsimaloto, Ampijoroa, Antsimalo und von Ankomakoma bieten für einige Fischarten, Krokodile und Wasservögel einen letzten Zufluchtsort.

Bevölkerung

Die Hauptbevölkerungs-Gruppe sind die Sakalava, was so viel wie „die aus dem langen Tal“ bedeutet. Sie stammen aller Wahrscheinlichkeit nach aus Indonesien und kamen vor langer Zeit mit Auslegerkanus (Waka) an der Ostküste Madagaskars an. Bis ins 19. Jahrhundert hatten die Sakalava zwei große Königreiche, weshalb heute das Volk nicht homogen ist, sondern aus verschiedenen ethnischen Gruppen besteht. Auch heute noch feiern sie verschiedene traditionelle Feste wie z.B. die Waschung der Reliquien (fitampoha), auch die zeremonielle Kommunikation mit ihren Ahnen wird weiterhin praktiziert.

Die Sakalava leben hauptsächlich von ihren Zebuherden und der Landwirtschaft. Der Park wird auch als Wasserspeicher der Region angesehen. Insgesamt werden 38.000 ha für die Landwirtschaft genutzt, 16.000 ha davon werden das ganze Jahr über bewässert. In der Ebene von Marovoay wird Reis angebaut, es ist das zweitgrößte Reisanbaugebiet von ganz Madagaskar. Die Bewässerung erfolgt durch den Fluss Betsiboka. Auch Dank des Massivs und den vielen Staudämmen des Parks ist hier die Landwirtschaft möglich.

Flora


Blüte

Die Flora im Ankarafantsika-Nationalpark ist mit 823 verschiedenen Arten sehr vielfältig. 92% sind holzige Pflanzen und 82% sind endemische Krautpflanzen.

Einige Besonderheiten:

  • Der "Mpanjakaben' ny tany" oder Baudouinia fluggeiformis ist ein bis zu 15m hoher, endemischer Baum, der in trockenen und dichten Wäldern wächst. Sein Stamm hat einen Durchmesser von ca. 50 cm und hat eine braune, mit tiefen Rillen durchzogene Rinde. Die Oberseite der Blätter ist glänzend, die Unterseite matt. Zwischen August und Dezember steht dieser Baum in Blüte, von September bis Mai trägt der Baudouinia fluggeiformis seine Früchte. Die Blüten sind gelb und haben fünf kleine Blätter.
  • Der Cedrelopsis grevei oder Katrafay ist ein 5 bis 22 m hoher, buschähnlicher Baum. Seine grau-braune Rinde ist rau und rissig und hat einen sehr charakteristischen Geruch. Sein Holz ist hart und hat eine helle gelblichen Farbe und wird sehr oft für handwerkliche Zwecke benutzt. Aus der Rinde und den Blättern werden ätherische Öle hergestellt, die zur Behandlung von Muskelschmerzen, Fieber und Malaria in der traditionellen Medizin angewendet werden. Die gelben Blüten des Cedrelopsis grevei kann man von September bis Dezember bewundern und von Oktober bis Januar trägt er seine schwarzen, kapselartigen Früchte.
  • Der Lohavato oder auch Hymenodictyon ist ein endemischer, bis zu 25 m hoher Baum, welcher in dichten und trockenen Wäldern vorkommt. Er hat einen geraden, grau-bräunlichen Stamm aus weichem Holz. Von November bis Januar blüht er und trägt gleichzeitig seine Früchte. Seine Blüten sind weiß und haben eine schöne Kelchform.
  • Der Sakoanala oder Poupartia silvatica ist ein 25 bis 35 m hoher Baum, welcher in dichten, trockenen Wäldern wächst. Man kann ihn an seiner grauen, weißfleckigen Rinde erkennen. Kratzt man an seinem Stamm, sondert dieser einen rötlichen Latex ab. Seine Blütezeit ist im September und Oktober.

Fauna

Der Ankarafantsika-Park stellt eine sehr wichtige Rolle in der Erhaltung seltener Tierarten dar. Für einige ist dieser der letzte Zufluchtsort, in dem sie ungestört leben können. Auf Grund dessen gibt es 129 nistende Vogelarten, von denen 75 endemisch sind, sowie endemische Reptilien (Chamäleons, Leguane, Schlangen und Süßwasserschildkröten) und acht verschiedene Lemurenarten.

Fünf der acht Lemurenarten sind ausschließlich nachtaktiv (wie z.B. der Microcebus), eine ist tagaktiv und zwei sind sowohl tag- als auch nachtaktiv.

Einige Besonderheiten:

  • Der Schetba rufa oder auch Paopaobava: er ist ein endemischer, mittelgroßer Vogel mit rötlich, schwarz-weißem Gefieder. Dieser tagaktive Vogel lebt entweder als Paar oder in einer Gruppe. Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch ihr Äußeres: das Weibchen ist an seiner schwarzen Brust, Kehle, Kopf und Nacken sowie seinem grauen Halsband zu erkennen. Das Männchen hingegen hat an Kopf, Nacken, Hals und Kehle eine schwarzblaue Farbe.

Chamäleon im Ankarafantsika Nationalpark
  • Die Acrantophis madagascariensis oder auch Do: eine bis zu 3 m lange Schlange, welche sich hauptsächlich von Vögeln und sehr kleinen Säugetieren ernährt. Sie ist an ihrem dunkelbraunen, mal auch dunkelbeigen Körper und an ihrem hellen Bauch zu erkennen.
  • Der Eulemur mongoz oder auch Dredrika: der 30 bis 35 cm große endemische Lemur mit seinem fast 50 cm langen Schwanz gehört heute zu den bedrohten Arten. Männchen und Weibchen ähneln sich in ihrem Aussehen nur bedingt: beide habe orangefarbige Augen und eine weiße Schnauze. Der Rücken beider ist braun, das Männchen hat jedoch einen dunkleren Farbton. Das wohl einfachste Unterscheidungsmerkmal sind die Schultern: das Männchen hat gelbe Schultern, die des Weibchens sind braun-schwarz. Der Dredrika lebt auf Bäumen und ist in der Regensaison tagaktiv und in der Trockenzeit nachtaktiv.
  • Der Cheirogaleus medius oder auch Matavirambo: ein 22 cm großer Lemur mit einem 20 cm langen Schwanz. Er gehört zu den nachtaktiven Lemuren. Sein Fell ist am Rücken braun und am Bauch weiß. Besondere Merkmale sind das weiße Band, welches seine Schnauze umgibt und die schwarze Umrandung seiner Augen. Der heute unter Artenschutz stehende endemische Lemur lebt auf Bäumen und hat sein Zuhause in fast allen westlichen und südlichen Wäldern von Madagaskar. Eine seiner Eigenarten ist es sich in einem eher langsamen Tempo fortzubewegen. In den Monaten April bis September überwintert der Matavirambo, nachdem er sich in der Regensaison Reserven anfrisst: so wiegt dieser Lemur zu Beginn der Regensaison ca. 140g, gegen Ende der Saison jedoch fast 220g. Seine Fettreserven befinden sich an seinem Schwanzansatz, woher er auch seinen Namen hat.
  • Der Microcebus, der kleinste Lemur der Welt! Im Ankarafantsika-Park gibt es zwei verschiedene Arten, die in Sympatrie leben: der graue Microcebus murinus und der goldbraune Microcebus ravelobensis. Letzterer ist an seinem gelbweißen Bauch und dem zwischen seinen Augen bis zur Schnauze verlaufenden weißen Streifen, von Ersterem zu unterscheiden. Auch ist sein Schwanz länger, dünner und hat einen dichteren Fellwuchs. Er kann zwischen 40 bis 70 g schwer werden. Der Microcebus murinus hat seine Fetteinlagen im Schwanz, der Microcebus ravelobensis hingegen baut sich ein Schlafnest, in dem er totes Laub und Klettertriebe hortet. Beide Arten ernähren sich von Früchten und Insekten. Trotz ihrer Sympatrie ist die Periode der Fortpflanzung nicht zur gleichen Zeit, da es eine klare Trennung ihrer ökologischen Nischen gibt.
  • Der Propithecus coquereli oder auch Coquerel-Sifaka ist ein bei Touristen sehr beliebter Lemur, den man in trockenen Laubwäldern oder manchmal auch in Mangroven antreffen kann. Seinen Name trägt er zu Ehren des französischen Naturforscher Charles Coquerel. Er ist tagaktiv und lebt in Gruppen von drei bis zehn Tieren. Als ein territoriales Tier behauptet er ein Revier von 4 bis 8 ha. Dieser Lemur hat eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 50 cm und einen bis zu 60 cm langen Schwanz. Im Durchschnitt wiegt er zwischen 3,5 und 4,5 kg. Eines seiner äußeren Merkmale ist der weiße Haarkranz, der sein unbehaartes, dunkelgraues Gesicht umgibt. Kopf, Rücken und Schwanz haben ein weißes Fell, Oberarme, Brust und Schenkel hingegen sind flächenweise braun. Die Vorderbeine sind wesentlich kürzer als die Hinterbeine, was ein Merkmal aller Sifakas ist. Der Coquerel-Sifaka ernährt sich hauptsächlich von Blättern und Knospen, zeitweise jedoch auch Baumrinden. Die Weibchen tragen ca. 160 Tage und bringen zwischen Juni und Juli ihr Jungtier auf die Welt. Im Alter von einem Jahr ist dieses dann ausgewachsen.

Tourismus

Mit ca. 6.000 Besuchern pro Jahr ist der Ankarafantsika-Nationalpark einer der meist besuchten Parks von Madagaskar und kann das ganze Jahr über bereist werden. Auch die dazu gehörende Schildkrötenzuchtstation von Ampijoara ist ein beliebtes Ziel. Dort werden zwei vom Aussterben bedrohte Schildkrötenarten gezüchtet: die Pyxis planicauda, auch Flachrückenschildkröte genannt und die extremst seltene Geochelone yniphora, auch Madagassische Schnabelbrustschildkröte. Die Station wird in Gemeinschaftsarbeit von der madagassischen Regierung und dem Durrel Wildlife Conservation Trust geführt.

Der Park befindet sich im Nordwesten von Madagaskar und ist über die Nationalstraße RN4 zu erreichen. Er ist 115 km von der Küstenstadt Mahajanga entfernt, welche täglich mit Inlandsflügen aus der Hauptstadt Antananarivo angeflogen wird. Für diejenigen, die in guten Hotels übernachten wollen, gibt es hier eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Ansonsten ist die Gegend um den Nationalpark noch sehr wenig touristisch erschlossen. Man sollte ca. 2 Stunden für die Fahrt zwischen Mahajanga und dem Park einrechnen. Ansonsten besteht auch die Möglichkeit die von der Hauptstadt 450 km lange Strecke mit einem Buschtaxi zurückzulegen, was in Madagaskar eine Tagesreise darstellt.

Das Empfangsbüro befindet sich in Ampijoroa, Mitten im Park. Sowohl die Parkangestellten im Empfangsbüro, also auch die 14 französisch oder englisch sprechenden Führer können umfangreiche Auskünfte geben und die Besucher auf einer der zahlreichen Wanderungen begleiten. Des Weiteren gibt es in Ampijoroa verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Man kann zwischen Zimmern mit Doppel- und Einzelbetten, Bungalows für 4 Personen und einem Campingplatz wählen. Gekocht wird entweder in der Gemeinschaftsküche oder unter freiem Himmel.

Ankarafantsika ist ein Paradies für Wanderfreudige und Ornithologen.

Insgesamt gibt es 11 gut erhaltene Wanderwege, welche einen guten Einblick in das einzigartige Ökosystem ermöglichen.

verschiedene Wanderrouten:

Coquereli: einfacher Rundgang von ca. 2 Stunden, auf dem man sehr oft zwei verschiedenen Lemurenarten beobachten kann: den Coquerel-Sifaka und den Eulemur fulvus. Hat man Glück, kann man auch einen Blick auf den wunderschönen Paradiesvogel, sowie den zu den Singvögeln gehörende Drongo werfen.

Retendrika: ein mittelschwerer Rundgang von ca. 2-3 Stunden. Er ist besonders für Vogelliebhaber und Botaniker von Interesse, da man auf seiner Wanderung verschiedene Heilpflanzen und seltene Vögel sehen kann. Auch steht das sehr fragile Ökosystem im Vordergrund.

Baobab-Rundgang: Rundgang von ca. 2 Stunden, welcher am Ravelobe-See beginnt. Nach der Durchquerung eines Sekundärwaldes mit Sandbüchsenbäumen (Hura crepitans), erreicht man die majestätischen, endemischen Baobabs (Andasonia madagascariensis). Neben diesen beeindruckenden Riesen kann man auf diesem Rundgang auch verschiedenste Reptilien (Schlange, Eidechsen, Chamäleons) und seltene Vögel (Dyal, Bulbul, Drongo) beobachten, sowie den Ausblick auf den Ravelobe-See genießen.

Circuit Source de Vie (Rundgang der „Lebensquelle“): Rundgang von ca. 3-4 Stunden, hier kommt der Vogelliebhaber ganz auf seine Kosten und kann seltene Land- und Wasservogelarten, aber auch Lemuren und verschiedene Reptilien beobachten. Darüber hinaus kann man einen Einblick in das tägliche Leben der Sakalava bekommen und einige ihrer heiligen Stätten besuchen.

Ankarokaroka: Rundgang von ca. 3-4 Stunden, welcher über eine weite Savanne zu einem großen Erosionsgebiet führt, das einer einzigartigen Mondlandschaft gleicht. Man hat Ausblick auf den durch die Erosion entstandenen Canyon und die schönen Wälder von Ankarafantsika. Beobachtungen von Taglemuren wie z.B. der Sifaka, seltenen Vögel, Schlangen und Eidechsen können auf dieser Wanderung gemacht werden.

Nachtrundgang: Auf diesem Rundgang kann man nachtaktive Tiere, wie z.B. verschiedene Säugetiere, Vögel und Chamäleons beobachten. Beginn dieser zweistündigen Wanderung ist um 19 Uhr.

Rundfahrt mit dem Boot: wer sich für die Beobachtung von Wasservögeln und Krokodilen interessiert, sollte von Ampijoroa aus auf dem 60 ha großen Ravelobe-See eine Bootsfahrt unternehmen. Neben der schönen Landschaft kann man auch Reiher, Ibisse und Seeadler bewundern.

Für diejenigen, die auch an der ortsansässige Kultur interessiert sind, können in Ampombolava eine Raffiabastwerkstatt besuchen und dabei zuschauen wie der Raffiabast gewoben und noch auf die herkömmliche Art getönt wird. Eine weitere Werkstatt liegt außerhalb des Parks, in dem 16 km weit entfernten Andranomandevy.

Geschichte

Der Park hat seinen Namen von dem Wort „Garafantsy, was soviel wie „dorniger Berg“ heißt. Darüber hinaus bezeichnet dieses Wort auch einen listigen und angsteinflößenden Mann. Ein solcher Mann, und zwar der Patriot Ravelobe lebte Erzählungen nach in den Wäldern von Ankarafantsika, wo er als Straßenräuber Reisende überfiel und ausraubte. Auf Grund dessen wurde lange Zeit mit den Wäldern von Ankarafantsika etwas Beängstigendes und Mysteriöses verbunden.

Referenzen

http://www.madainfo.de/ankarafantsika.htm
http://www.wildmadagascar.org/conservation/parks/Ankarafantsika.html
http://www.travelmadagascar.org/PARKS/Ankarafantsika-National-Park.html
http://www.lonelyplanet.com/madagascar/western-madagascar/parc-national-dankarafantsika
http://www.parcs-madagascar.com/fiche-aire-protegee.php?Ap=15
http://www.theprimata.com/microcebus_ravelobensis.html
http://www.worldagroforestrycentre.org/sea/products/afdbases/af/asp/SpeciesInfo.asp?SpID=18158
http://www.primata.de/thema/1_lem_lori/3-04_Goldbrauner_Mausmaki.php

www.Madagaskar.info

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