Bedrohungen der Fauna & Flora

Madagaskar im Vergleich


Baobab-Allee im Westen Madagaskars

Madagaskar besitzt eine Fauna und Flora, die zum größten Teil endemisch ist, also nur auf Madagaskar vorkommt: 80% der Tierarten und 90% der Vegetation existieren nur hier. Ursache hierfür ist, dass Madagaskar, bedingt durch die Lage nahe des Äquators und durch das Hochland im Zentrum der Insel, sehr viele unterschiedliche Vegetationsformen besitzt. Hier findet man 8 endemische Pflanzenfamilien und 16 endemische Wirbeltierfamilien vor. Eine so hohe Anzahl endemischer Familien ist einzigartig in der Welt. Auch bezüglich der endemischen Gattungen nimmt Madagaskar einen Spitzenplatz ein.

Diese Einzigartigkeit ist der Grund, weshalb Madagaskar sehr stark in den Focus von Wissenschaftlern und Umweltschützern geraten ist. Auf der anderen Seite schreitet die Umweltzerstörung schnell voran, das Land gehört zu den ärmsten der Welt und hat eine explosionsartige Bevölkerungsentwicklung.

Bedrohungen

Zerstörung des Lebensraumes

Die größte Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt stellt die Zerstörung des Lebensraumes dar. Man vermutet, dass bereits 90% der Wälder Madagaskars gerodet wurden. Die Rodungen erfolgen in erster Linie, um neues Ackerland zu gewinnen, aber auch, um Holz als Baustoff und für den Export zu gewinnen. Da diese Rodungen relativ unkontrolliert erfolgen, sind Erosionen die Folge. Hierdurch tritt der rote Laterit-Boden zutage, der Madagaskar den Beinamen „die rote Insel“ gegeben hat.


Zebus, die Buckelrinder Madagaskars

Reis ist das Hauptprodukt der madagassischen Landwirtschaft. Diese Tradition wurde von den ersten Siedlern der Insel eingeführt, die erst vor 1500 – 2000 Jahren aus dem asiatischen Raum eingewandert sind. Die Böden Madagaskars eignen sich nicht so gut für die Reisproduktion, der Lateritboden ist sehr nährstoffarm und für die intensive Landwirtschaft nicht geeignet. Die Folge ist, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen häufig schnell aufgegeben und neue Flächen durch Brandrodung gewonnen werden. Diese Brandrodungen erfolgen in zu kurzen Zeitabständen, sodass sich die ursprüngliche Vegetation nicht mehr erholen kann und die Flächen erodieren. Die durch die Erosion weggespülten Lateritböden werden zum Teil in bestehende Anbauflächen gespült und können diese unfruchtbar machen. Die Ausmaße der Erosion sind auch aus dem Weltall aus erkennbar, die rote Erde färbt sogar das Meer um Madagaskar rot. Des weiteren kommt hinzu, dass Madagaskars ursprüngliche Baumarten zum Teil ein sehr langsamen Wachstum haben. Die ursprüngliche Vegetation benötigt so mehrere Generationen, um wieder Fuß zu fassen.

Des weiteren wird eine große Fläche für die Zucht von Rindern benötigt. Hierfür werden für die Viehzucht die aus dem asiatischen Raum bekannten Buckelrinder, auf Madagaskar „Zebu“ genannt, verwendet. Diese Rinder sind sehr genügsam, wachsen aber sehr langsam und benötigen dadurch sehr viel Weidefläche, bis sie ausgewachsen sind geschlachtet werden können. In den Savannen im Süden der Insel werden durch die Viehhirten zudem Brände gelegt: diese sorgen dafür, dass kurzzeitig frisches, grünes Gras nachwächst. Dieses ist nährstoffreicher als das zum Teil sehr harte, von der Sonne ausgetrocknete Gras. Diese Brände haben zur Folge, dass sich die normale, ursprünglich vorhandene Vegetation nicht entwickeln kann. Zebufleisch ist verhältnismäßig teuer und wird von der einfachen Bevölkerung nur in geringen Mengen verzehrt. Allerdings sorgt der Besitz einer großen Herde für ein hohes Ansehen. Stirbt der Besitzer einer solchen Herde, werden die meisten oder sogar alle Tiere dieser Herde geschlachtet und auf einer großen Feier verspeist.

Das Hauptnahrungsmittel Madagaskars ist Reis, es gibt ihn zum Frühstück, zum Mittagessen und abends. Dadurch muss auch drei mal täglich gekocht werden. Dies erhöht den Bedarf an Holzkohle, mit der traditionell gekocht wird. Diese wird aus Holz hergestellt, das vorwiegend nicht nachhaltig gewonnen wird.

Jagd


goldener Bambuslemur

Auf Madagaskar wird unter anderem auf Lemuren, Schildkröten und Vögel Jagd gemacht. Obwohl es grundsätzlich verboten ist, werden Lemuren wegen des Fells gejagt, oder um verzehrt zu werden. In bestimmten Regionen sind Lemuren durch örtliche „Fadys“, traditionellen Verboten, geschützt, die die Jagd auf Lemuren grundsätzlich verbieten. Da auch auf Madagaskar immer mehr Menschen ihren Wohnort wechseln kann es passieren, dass in Gegenden, in denen die Jagd traditionell verboten war, Lemuren neuerdings gejagt werden um als Nahrungsgrundlage zu dienen. Für bestimmte Lemurenarten sind aber gerade Traditionen die größte Bedrohung. So muss ein Aye Aye auf der Stelle getötet werden, wenn dieser ein Dorf betritt, wenn man von diesem Unglück abhalten möchte. Möglicherweise ein Grund dafür, dass diese Lemurenart so selten ist, dass diese in den 50er Jahren des letzten Jahrtausends als ausgestorben galt. Dort, wo die Jagd verboten ist, können sich gesunde Lemurenpopulationen halten oder entwickeln. Gelegentlich werden Lemuren auch gejagt, um als Haustier zu dienen. Vor allem von der Region um den Lac Alaotra, einem See im Hochland, ist diese Tradition bekannt. Der Alaotra-Bambuslemur, der nur hier vorkommt, ist auch dadurch leider sehr gefährdet. Hier bedarf es noch der Aufklärung der Bevölkerung.

Einige Vogelarten wie zum Beispiel Ibisse, einige Greifvogelarten Hühnervögeln werden aufgrund ihres Fleisches gejagt. Gerade Ibisse sind sehr stark bedroht, wird doch zusätzlich zur Bejagung ihr Lebensraum stark zerstört. Der bekannteste Vogel Madagaskars ist der „Vogel Rock“, ein Straußenvogel, der schon vor Jahrhunderten ausgestorben ist. Dieser diente vermutlich Seefahrern als Nahrung. Da dieser Vogel sehr groß wurde (bis zu 3 Meter groß), konnte dieser sehr leicht gejagt werden. Mit fast 500kg Lebendgewicht lieferte er auch ausreichend Fleisch.

Landschildkröten liefern ein unter Madagassen beliebtes Fleisch, auch hier leiden die Populationen zum Teil stark unter der Bejagung.

Bedrohung durch eingeführte Arten

Madagaskars Landwirtschaft besteht hauptsächlich aus Pflanzen, die eingeführt wurden. Reis, Vanille, Pfeffer, Sisal, all das sind Pflanzen, die ursprünglich nicht auf Madagaskar vorkamen. Eine Gefahr für die Vegetation stellen sie allerdings nicht direkt dar.


Ringelschwanzlemuren im privaten Park „Parc Anja“

Besonders bedroht durch die Einfuhr fremder Arten sind jedoch Süßwasserfische, die meisten dieser Arten sind endemisch und vermutlich zum Aussterben verdammt.

Chancen durch den Tourismus

Durch den Tourismus entstehen nicht nur offizielle Nationalparks, sondern auch vermehrt private Schutzgebiete. Das durch den Tourismus eingenommene Geld wird in die Ausbildung von Fremdenführern oder Pflege und Erweiterung der Schutzgebiete investiert. Auch wird der Bevölkerung so manchmal erst bewusst, wie wertvoll eine intakte Natur sein kann und welche Notwendigkeit eine intakte Natur für die Bevölkerung und die Landwirtschaft hat.

Urlaub & Natur unterstützt daher das Ranomafana Schulprojekt. Dieses soll die Bildung gerade in Dörfern verbessern, die nahe eines Naturschutzgebietes liegen. Dazu wird nicht nur Lehrmaterial gesammelt und verteilt, sondern auch Lehrer bezahlt. So erfolgt die Ausbildung bei den Kindern und Jugendlichen, die später den direktesten Einfluß auf diese Schutzgebiete haben.

www.Madagaskar.info

www.madagaskar.info ist eine Marke von Urlaub & Natur

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